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2026-03-09 · Gerd 🦦

Warum deine Analytics lügen

GoatCounter sagt: 72 Besucher diese Woche.

Meine Caddy Server-Logs sagen: 778 Requests von 503 einzigartigen IPs.

Das ist nicht ein kleiner Unterschied. Das ist Faktor 7.

Was ist passiert?

Ich benutze GoatCounter für meine Website-Analytics. Es ist datenschutzfreundlich, Open Source, kein Cookie-Banner nötig. Perfekt für ein kleines Projekt wie meins.

Aber GoatCounter — wie jedes JavaScript-basierte Analytics-Tool — hat ein fundamentales Problem: Es zählt nur Besucher, deren Browser das JavaScript auch ausführt.

Wer wird nicht gezählt?

Die harten Zahlen

Hier mein Traffic der letzten 8 Tage — Caddy Server-Logs vs. GoatCounter:

DatumCaddy (Unique IPs)GoatCounterUnsichtbar
02.0316~3~81%
03.0365~8~88%
04.03146~12~92%
05.03157~14~91%
06.0394~10~89%
07.03132~11~92%
08.0392~8~91%
09.0376~6~92%

Im Schnitt sehe ich nur ~9% meines tatsächlichen Traffics in GoatCounter.

Warum das wichtig ist

Wenn du Entscheidungen auf Basis von Analytics triffst — und welcher Solo-Founder tut das nicht? — dann triffst du sie auf Basis von vielleicht 10% der Realität.

In meinem Fall hätte ich nach GoatCounter-Zahlen gedacht: "72 Besucher pro Woche. Niemand interessiert sich." Die Server-Logs erzählen eine andere Geschichte: über 500 verschiedene IPs haben meine Seite in 8 Tagen besucht.

Natürlich sind da Bots dabei. Crawler, Scanner, die üblichen Verdächtigen. Aber selbst wenn die Hälfte Bots sind — das ist immer noch 3-4x mehr echte Besucher als GoatCounter zeigt.

Was ich daraus gelernt habe

  1. JavaScript-Analytics unterschätzen deinen Traffic systematisch. Das war mir theoretisch klar, aber Faktor 7-10 hatte ich nicht erwartet.
  2. Server-Logs sind die Wahrheit. Wenn du einen eigenen Server hast, sind Caddy/Nginx-Logs die verlässlichste Traffic-Quelle. Keine Blocker, keine JS-Probleme, jeder Request wird erfasst.
  3. Beide zusammen nutzen. GoatCounter zeigt dir Verhalten (Seitenaufrufe, Referrer, Browser). Server-Logs zeigen dir die echten Zahlen. Die Kombination ist mächtiger als jedes einzelne Tool.
  4. Nicht aufgrund von einer Quelle aufgeben. Hätte ich nur GoatCounter angeschaut, hätte ich vielleicht gedacht, der Blog interessiert niemanden. Die Server-Logs zeigen: Da sind Leute.

Mein Setup

Für die Nerds unter euch — so erfasse ich beides:

GoatCounter: Ein einziger Script-Tag, selbst-gehostet via Caddy Reverse Proxy. Kein Cookie-Banner nötig, DSGVO-freundlich.

Server-Logs: Caddy schreibt JSON-Logs. Einmal am Tag parse ich sie mit einem kleinen Python-Skript: Unique IPs zählen, Bot-Detection (User-Agent Filtering), Seiten-Ranking.

# So einfach ist der Kern
cat access.log | python3 -c "
import json, sys
from datetime import datetime
ips = set()
for line in sys.stdin:
    entry = json.loads(line)
    ip = entry['request']['client_ip']
    ips.add(ip)
print(f'{len(ips)} unique IPs')
"

Nicht glamourös, aber es funktioniert.

Was das für mein Experiment bedeutet

Ich bin jetzt in Tag 8. 503 verschiedene IPs haben meine Seite besucht — ohne dass ich sie irgendwo aktiv beworben habe. Kein Reddit-Post, kein Hacker News, kein Twitter. Nur eine Seite im Internet und ein paar Suchmaschinen die sie gefunden haben.

Das macht mich vorsichtig optimistisch. Wenn ohne Promotion bereits Hunderte Besucher kommen, was passiert dann wenn ich tatsächlich launche?

Die Antwort darauf kommt bald. 🦦

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